„Martina, mit dem Begriff „Insta-Tante“ machst du dich kleiner, als du eigentlich bist.“ Diesen Satz sagte meine Business-Mentorin eines Tages zu mir. Und ich gebe zu: Das hat mich ziemlich überrascht.
Denn für mich ist die Tante das coolste Familienmitglied überhaupt. Wie kann man denn bitte etwas Abwertendes daran finden?
Aber dann kamen weitere Argumente: Der Begriff würde nicht zu meiner Expertise passen. Er könnte meinem Business sogar schaden. Und „Tante“ hätte für sie sogar einen abwertenden, misogynen – also frauenabwertenden – Beigeschmack.
Uff. Das hat gesessen. Diese Sichtweise hatte ich tatsächlich überhaupt nicht auf dem Schirm. Und plötzlich habe ich mich gefragt: Mache ich mich mit der Bezeichnung Insta-Tante wirklich kleiner, als ich bin?
Die kurze Antwort: Vielleicht. Die etwas längere Antwort bekommst du in diesem Blogartikel.

Wie ich zur „Insta-Tante“ wurde
Das Spannende an der ganzen Geschichte: Ich habe mir den Begriff „Insta-Tante“ gar nicht selbst ausgedacht. Dafür müssen wir zurück ins Jahr 2022, kurz vor den Start meiner Selbstständigkeit. Damals habe ich mit meiner Testkundin Bettina zusammengearbeitet:
Gemeinsam haben wir innerhalb weniger Monate die 1.000-Follower-Marke auf Instagram geknackt – und das ganz ohne Werbeanzeigen. Über ihren Instagram-Account wurde Bettina sogar von renommierten Tageszeitungen entdeckt.
Und Bettina? Die nannte mich liebevoll ihre „Instagram-Tante“. Ich fand das damals einfach nur süß. Und irgendwie auch ziemlich passend. Also blieb der Name hängen.
Es war also keine tagelange Positionierungsarbeit von mir, kein strategisches Brainstorming und auch keine Pro-und-Contra-Liste mit 37 möglichen Markennamen. Meine Kundin hat das für mich gemacht.
Und Bettina blieb damit nicht allein. Bis heute nennen mich Kundinnen ihre „Insta-Tante“. In privaten Nachrichten werde ich schon mal mit „Hallo, meine liebste Insta-Tante“ begrüßt. Der Begriff taucht sogar in öffentlichen Google-Rezensionen auf:

Und natürlich verwende ich ihn inzwischen auch selbst: in meinem Newsletter, in der Autorenbox auf meinem Blog oder auf meinem eigenen Instagram-Account.
Tatsächlich habe ich sogar einmal kurz darüber nachgedacht, mich ganz offiziell „Instagram-Tante“ zu nennen. Daraus wurde allerdings nichts, denn der Name „Instagram“ ist ein geschützter Markenname und darf laut den Markenrichtlinien von Meta (Mutterkonzern von Instagram) nicht einfach als Teil des eigenen Geschäftsnamens verwendet werden.
Und da ich keine Lust darauf habe, mich mit Meta anzulegen, habe ich mich für die rechtlich unkomplizierteste Variante entschieden: Mein Business und meine Social-Media-Kanäle laufen ganz einfach unter meinem eigenen Namen.
Offiziell bin ich also Martina Lörracher-Leeb. Für meine Kundinnen darf ich trotzdem die „Insta-Tante“ sein. 😉
Was „Insta-Tante“ für mich bedeutet
Warum gefällt mir dieser Spitzname eigentlich so gut? Ganz einfach: Weil ich mit dem Wort „Tante“ etwas ganz Bestimmtes verbinde.
Die Tante ist das coolste Familienmitglied
Vielleicht liegt es an der Region, aus der ich komme. Vielleicht ist es auch einfach mein ganz persönliches Familiensystem. Aber für mich war die „Tante“ nie etwas Abwertendes.
Ganz im Gegenteil. Die Tante ist doch das coolste Familienmitglied überhaupt!
Wenn Mama oder Papa dich wieder einmal nicht verstehen oder etwas partout nicht erlauben wollen, dann gehst du zu deiner Tante. Die boxt dich durch, redet auf deine Eltern ein und unternimmt mit dir all die coolen Sachen, die deine Eltern nie erlauben würden.
Und vor allem: Du kannst mit deiner Tante über alles reden und ihr deine Sorgen anvertrauen. Egal ob Liebeskummer oder Berufswahl, bei ihr musst du dich nicht schämen. Auch nicht für vermeintlich „dumme“ Fragen, die du dich sonst vielleicht gar nicht zu stellen traust.
Sie nimmt dich und deine Sorgen ernst. Sie steht dir mit einem guten Rat zur Seite. Sie feuert dich an, wenn du gerade in einem Motivationsloch steckst. Und gefeiert wird sowieso gemeinsam. Jeder noch so kleine Anlass.
Denn als Tante ist man natürlich mächtig stolz auf sein … Patenkind.
Ähm. Ich meinte natürlich auf seine Kundinnen. 😉
Und genau so möchte ich als „Insta-Tante“ für meine Kundinnen sein.
Ich bin kein „Instagram-Guru“
Wenn du bei mir in einer Beratung sitzt, möchte ich nicht, dass du dich fühlst wie eine kleine Schülerin, die gerade zum Direktor ins Büro zitiert wurde. Ich bin weder Frau Oberlehrer, noch Frau Megagescheit. Zumindest lasse ich das nicht raushängen. 😉
Natürlich habe ich in diesem Gespräch mehr Instagram-Wissen als du. Sonst wäre es vermutlich ziemlich sinnlos, mich für eine Instagram-Beratung zu bezahlen. Aber du bist die Expertin für dein Business.
Deshalb begegnen wir uns auf Augenhöhe. Du darfst bei mir jede Frage stellen. Auch die, bei der du dir vielleicht denkst: „Oh Gott, das müsste ich doch eigentlich wissen.“ Nein, musst du nicht. Und ich werde dich ganz bestimmt nicht dafür auslachen oder dir das Gefühl geben, dass du Instagram jetzt aber wirklich langsam verstanden haben solltest.
Genau deshalb könnte ich mich übrigens auch nicht ernsthaft als „Instagram-Guru“ bezeichnen. Das passt einfach nicht zu mir. Ich möchte nicht auf irgendeinem imaginären Instagram-Podest sitzen und dir von oben herab erklären, wie der Hase läuft.
Ich möchte mich lieber gedanklich neben dich setzen und sagen: „Okay, wo hakt’s gerade? Schauen wir uns das gemeinsam an.“
Auch eine „Insta-Tante“ redet mal Klartext
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Insta-Tante immer alles super findet, was du machst und deinen Bauch pinselt. Ganz im Gegenteil! Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Und manchmal spricht mein Mund sogar ein bisschen schneller, als mein Hirn denkt. Wenn etwas kacke ist, dann sage ich dir das. Aber ich bin von Grund auf ein positiver und wertschätzender Mensch.
Ich werde deine Arbeit also nicht durch den Kakao ziehen oder dich mit meiner Kritik alleine sitzen lassen. Denn ein „Das ist schlecht“ hilft dir genau gar nichts. Ich sage dir lieber, warum etwas meiner Meinung nach nicht funktioniert und vor allem, wo du konkret ansetzen kannst, um es in Zukunft besser zu machen.
Apropos: Spaß, Wertschätzung und Ehrlichkeit sind übrigens meine drei wichtigsten Werte. Warum gerade diese drei Werte für mich so wichtig sind, habe ich hier in diesem Blogartikel erzählt.
Die „Insta-Tante“ ist also nicht diejenige, die dir bei jeder Gelegenheit auf die Schulter klopft und sagt: „Super gemacht!“, obwohl sie genau weiß, dass es da noch ordentlich Luft nach oben gibt. Sie sagt dir ehrlich, was Sache ist. Und hilft dir damit auch weiter.
„Aber Martina, damit machst du dich doch kleiner als du bist!“
So sehr ich die „Insta-Tante“ auch liebe – die Kritik meiner Business-Mentorin hat mich trotzdem ordentlich ins Grübeln gebracht. Denn vielleicht ist ja tatsächlich etwas dran?
Vielleicht hat sie ja recht?
Ich kann die Kritik meiner Mentorin durchaus nachvollziehen. Denn wenn man sich meinen beruflichen Hintergrund anschaut, klingt „Insta-Tante“ vielleicht tatsächlich ein bisschen … klein.
Ich habe BWL mit Schwerpunkt Marketing und Unternehmensgründung studiert. Seit 2019 betreue ich sehr erfolgreich Social-Media-Kanäle. Ich habe unzählige Weiterbildungen in diesem Bereich absolviert und bin seit 2023 selbstständig als Instagram-Beraterin tätig. Ich habe mittlerweile mit über 150 Kund:innen zusammengearbeitet und durfte viele unterschiedliche Businesses begleiten – darunter viele Selbstständige, die über Instagram ihre ersten Kundinnen und Kunden gewonnen haben.
Ich erzähle dir also nicht einfach nur, was bei meinem eigenen Instagram-Account gerade zufällig gut funktioniert. Denn seien wir ehrlich: Was bei einem Account durch die Decke geht, kann beim nächsten komplett floppen. Genau deshalb gibt es bei mir nie den einen Weg, der angeblich für alle funktioniert.
Natürlich bringe ich meine eigenen Erfahrungen ein. Aber genauso wichtig ist die Erfahrung aus der Arbeit mit unterschiedlichen Accounts, Branchen und Ausgangssituationen. Wenn Weg A bei dir nicht funktioniert, dann probieren wir Weg B, oder C.
Instagram-Beraterin ist mein Beruf. „Insta-Tante“ beschreibt, wie ich diesen Beruf ausübe.

Ist die „Tante“ vielleicht gar nicht so cool?
Trotzdem hat mich die Kritik beschäftigt. Vor allem die Rückmeldung, dass der Begriff „Tante“ von manchen Menschen als abwertend oder sogar misogyn wahrgenommen wird, hat mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht.
Das hatte ich so überhaupt nicht auf dem Schirm! Denn wie gesagt: In meiner Welt ist die Tante das coolste Familienmitglied überhaupt. Aber mir wurde dadurch bewusst, dass andere Menschen mit diesem Wort offensichtlich etwas ganz anderes verbinden als ich. Und natürlich habe ich mich gefragt: Sollte ich den Begriff vielleicht wirklich nicht mehr verwenden?
Ich habe mir mehrere Wochen (nein, es waren Monate) Zeit genommen, darüber nachzudenken. Und ich habe vor allem mit meinen Kundinnen ehrliche Gespräche geführt:
- Was bedeutet der Begriff „Insta-Tante“ für sie?
- Was schwingt tatsächlich mit, wenn sie mich „Insta-Tante“ nennen?
- Und vor allem: Ist er für sie genauso positiv besetzt wie für mich?
Die Antworten, die ich bekommen habe, waren alle positiv. Und ich war ehrlich gesagt ziemlich erleichtert, dass meine Kundinnen mit dem Begriff „Insta-Tante“ genau dasselbe verbinden wie ich. Natürlich KANN man das Wort „Tante“ auch anders auslegen. Aber für meine Kundinnen war und ist es eine liebevolle Bezeichnung. Und genau mit dieser positiven Absicht haben sie mir den Spitznamen auch gegeben.
Warum sollte ich also etwas Negatives daraus machen, wenn es von Anfang an ausschließlich positiv gemeint war?
Damit war die Sache für mich entschieden: Ich habe mir den Namen „Insta-Tante“ ursprünglich nicht selbst ausgesucht. Aber ich kann mich sehr wohl entscheiden, ob ich ihn behalten möchte.
Warum ich mich entschieden habe, die „Insta-Tante“ zu behalten
Mir ist inzwischen bewusst, dass der Begriff unterschiedlich interpretieren werden kann. Natürlich kann jemand „Insta-Tante“ in einem abfälligen Ton sagen. Mir persönlich ist das bisher zum Glück noch nie passiert. Wenn meine Kundinnen mich so nennen, dann ist es liebevoll gemeint.
Am Ende hat mich diese ganze Auseinandersetzung sogar darin bestärkt, den Namen „Insta-Tante“ zu behalten. Denn mittlerweile weiß ich noch viel genauer, warum mir dieser Spitzname so wichtig ist und was die Tante für mich bedeutet:
Sie steht für die Art, wie ich mit meinen Kundinnen arbeiten möchte: nahbar, ehrlich, direkt, wertschätzend und auf Augenhöhe.
Und gleichzeitig mit ziemlich viel Ahnung von dem, was ich tue.
Die „Insta-Tante“ passt nicht zu jedem. Und das ist gut so!
Ich weiß, dass meine Art nicht zu jedem passt. Ich red, wie mir der Schnabel gewachsen ist, verstecke meinen oberösterreichischen Dialekt ned und bin auch nicht unbedingt die klassische Business-Beraterin im geschniegelten Blazer.
Wenn du dir eine Beratung mit komplexen Strategie-Papers, zig KPI-Auswertungen und theoretischen Konzepten wünschst, bin ich nicht die Richtige für dich.
Barcamp-Foto Mit Untertitel: „Blazer und Perlenohrringe? Nicht ganz mein Stil. Mit Party-Diadem auf der Barcamp-Bühne fühle ich mich da schon wohler. lol“
Ich kremple lieber gemeinsam mit dir die Ärmel hoch und schaue, was wir konkret auf deinem Instagram-Account verbessern können. Ohne unnötiges Fachchinesisch und ohne uns im Perfektionismus zu verlieren.
Und vielleicht ist genau deshalb der Spitzname „Insta-Tante“ gar nicht so schlecht für mein Business:
Denn wer sich davon angesprochen fühlt, passt vermutlich auch ganz gut zu mir. Ich muss schließlich nicht zu jedem passen. Sondern zu den Richtigen.
Fazit: Die „Insta-Tante“ bleibt
Mache ich mich mit diesem Begriff kleiner, als ich eigentlich bin? Vielleicht. Zumindest wird es Menschen geben, die das so empfinden.
Heute weiß ich, dass nicht jeder Mensch beim Wort „Tante“ dasselbe positive Bild im Kopf hat wie ich. Und ich kann verstehen, wenn jemand den Begriff für sich persönlich nicht passend findet.
Für mich – und vor allem für viele meiner Kundinnen – steht die „Insta-Tante“ aber für etwas anderes:
- Für jemanden, den man ungeniert um Rat fragen kann.
- Der einen ernst nimmt.
- Der einem ehrlich sagt, wenn etwas nicht funktioniert.
- Der dann aber auch die Ärmel hochkrempelt und dabei hilft, es besser zu machen.
- Und der mindestens genauso laut mitfeiert, wenn es funktioniert.
Deshalb bleibe ich wohl noch eine Weile die „Insta-Tante“.
Und wenn mir wieder jemand sagt: „Martina, damit machst du dich kleiner, als du eigentlich bist“, dann antworte ich:
Lieber klein und richtig was am Kasten haben, als sich riesengroß aufblasen – und dahinter steckt nur heiße Luft.
